WSET® - Ausbildung Level 2 und 3
Ein Erfahrungsbericht
Von Dr. Matthias Kuhl
Ich habe vor 8 Jahre mit einem Freund zusammen einen kleinen
Rieslingwingert in der Pfalz gekauft, der von einem Winzer meines
Vertrauens betreut wird. Anfang letzten Jahres kam mir die Idee, mein
Weinwissen zu verbessern, um mich auch mehr in meine Weinerzeugung
einbringen zu können. Es gibt zwar auch genug Literatur zum Thema Wein
in meinem Bücherregal, aber das gemeinsame Lernen und Probieren mit
ein paar Leuten und guten Dozenten macht ja bekanntlich mehr Spass.
Ich habe schon häufig an Weinseminaren/Themenworkshops etc. von verschiedenen Weininstitutionen teilgenommen, aber jetzt sollte es mal richtig professionell werden. Schnell stiess ich auf den Wine and Spirit Education Trust (WSET), angeblich die grösste Weinschulungsinstitution der Welt.
Mit einem guten Internet Auftritt, sogar auch in deutscher Sprache, begann ich mich einzulesen. Es werden die Level 1 bis 5 beschrieben und mit dem Abschluss des Level 5 kann man gar den Titel Master of Wine erlangen, welch herrliche Vorstellung, sich mit einem Master of Wine-Titel von den ganzen Masters of Business dieser Welt abzugrenzen. Bis dahin ist der Weg allerdings weit und, wenn man sich wie ich, nicht professionell in der Weinwirtschaft aufhält, neben dem normalen Job vielleicht etwas schwierig abzuschliessen. Also meldete ich mich erst einmal zum Level 2 bei der Viniversitaet - die Weinschule GmbH, an. Level 1 brauchte man bei gewissen Vorkenntnissen nicht nachweisen.
Ich bekam die Studienunterlagen zu Level 2 zugeschickt und absolvierte im März 2010 unter Aufsicht in einem nahegelegenen Jaques Wein Depot einen 50 Fragen umfassenden Multiple Choice Test. Nur erfolgreiches Bestehen ermöglicht die Anmeldung zum Level 3, ich war also hochmotiviert. Ab 55% richtige Antworten gilt die Prüfung als bestanden, das sollte zu schaffen sein, dachte ich mir. Und so bestand ich auch mit 80% meine erste Prüfung nach vielen Jahren prüfungsfreier Zeit.
Im April 2010 fand dann der zeitlich weitaus umfassendere Level 3 Kurs in zwei aufeinander folgenden Wochen jeweils von Montag bis Mittwoch von morgens bis abends statt. Ein sehr dichtes Programm führte uns durch sämtliche wichtigen Weinregionen der Welt, aber auch durch Weinrecht und Kellertechnik. Aus meiner Sicht etwas zu ausführlich wurden die Spirituosen wie Portwein und Sherry behandelt, was wahrscheinlich an der Herkunft des Programms (England) lag. Begleitet wurde jede Region mit der Verkostung typischer Weine aus dieser Gegend der Welt.
Da die Verkostungen schon morgens anfingen, lernte ich relativ schnell, dass man den Wein dann doch wieder ausspucken sollte, was mir bis dahin eigentlich eher schwerfiel. Da ich aber abends noch für den Düsseldorf Marathon (nur Staffel!) trainieren wollte, war das sicher auch gut so. Das Verkosten des Weins war meines Erachtens aber der wichtigste Kursbestandteil. Die Beschreibung der Weine nach Auge, Mund und Nase fiel allen Kursteilnehmern nicht leicht. Deshalb waren wir immer wieder auf die kompetenten Kommentare unserer Referenten angewiesen. Es sollte ja schliesslich im abschliessenden Test auch blind ein Wein beschrieben und identifiziert werden. Davor hatten doch alle Kursteilnehmer am meisten Respekt. Auch die Beantwortung von offenen Fragen neben weiteren 50 Multiple-Choice Fragen versetzte einige Kursteilnehmer unter Stress.
Es sei angemerkt, dass 90% der Teilnehmer professionell mit Wein zu tun haben, ob in Handel oder Gastronomie. Mit Spannung habe ich auf das Ergebnis fast 3 Monate gewartet. Aber was lange währt, wurde dann doch gut. Mit "distinction" bestanden, verbunden mit einer schönen Urkunde sowie Anstecknadel. Als Fazit kann ich nur sagen, dass mir der Kurs der Viniversität sehr gut gefallen hat und Lust auf mehr macht. Level 4 (Diploma in Wines and Spirits) dauert allerdings mindestens 1 Jahr und ist mit 4 Präsenzseminaren in Geisenheim (Rheingau), Rust (Österreich) oder der Schweiz (Zürich) verbunden. Am Ende ist eine Diploma-Arbeit abzufassen.
Bei erfolgreichem Abschluss darf man sich dann immerhin schon Weinakademiker nennen, ehe es dann zum Höhepunkt der Ausbildung, dem Master of Wine-Studiengang in London kommen kann. Ich würde mich freuen, den einen oder anderen Kursteilnehmer auf dem Wege dorthin wiederzutreffen. Bis dahin sollte auf jeden Fall noch viel Wein die Geschmacksknospen zum Blühen bringen. Cheers!
Dr. Matthias Kuhl, Düsseldorf

