Wein zur Weihnacht
Von Dr. Jost Bomers
Alle Jahre wieder wird am 24. Dezember das Fest der Liebe gefeiert. Und da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, gehört festtägliches Essen und natürlich
guter Wein in den meisten Familien zu Weihnachten wie Weihnachtsbaum und Weihnachtslied.
Doch in jedem Jahr werden Hausmänner und Hausfrauen von der Frage umgetrieben, welche kulinarischen Feinheiten serviere ich dieses mal meinen Liebsten zum Fest und vor allem, welche Weine sollen das festliche Essen begleiten.
Hier finden Sie die eine oder andere anregende Antwort, Ideen und auch konkrete Vorschläge.
Wie wäre es z.B. mit Burgunderweinen?
Den roten Burgundern hängt zu Unrecht ein etwas angestaubtes Image an. "Burgunder trank man früher; die Weine sind zu hell und zu leicht; ihnen fehlt es an Körper und Kraft", diese und ähnlich lautende Urteile über die Weine der Könige, wie die Burgunder über Jahrhunderte bezeichnet wurden, werden von vielen Weintrinkern kolportiert.
Dabei zählt die Rebsorte Pinot noir, aus der seit dem frühen Mittelalter alle roten Burgunder gekeltert werden, bei Weinfachleuten weltweit zu einer der besten roten Rebsorten. Allerdings stellt die Pinot noir, die hierzulande zumeist unter der Bezeichnung "Spätburgunder" in den Handel kommt, an Boden, Klima und an die Kunstfertigkeit des Winzers höchste Ansprüche, weshalb man sich bei der Wahl des Winzers und der Herkunft des Weins gut beraten lassen sollte.
Dafür aber passen Burgunder mit ihren Aromen nach Kirschen aller Art und roten Beeren, mit ihren moderaten Tanninen und ihrem eleganten Säureakzent hervorragend zu den Klassikern der Weihnachtsküche: zur Gans und zu Wildgerichten wie dem gespickten Rehrücken mit Rotkohl, Klößen, Maronen und Preiselbeeren serviert.
Aber es müssen ja nicht immer die alten Klassiker sein. Wie wäre es beispielsweise mit einer gebratenen Perlhuhnsupreme (Brust und Keulchen) mit Zuckerschoten, Karotten und Morcheln in Butter und feiner Bourbonvanille geschwenkt und gerösteten Pinienkernen oder in Burgunder geschmorten Kalbsbäckchen mit Rheinischem Stielmus oder Rosenkohlblättchen.
Dieter Müller, Drei-Sterne-Koch in Bergisch Gladbach, wiederum empfiehlt zum roten Burgunder unter anderem "Gebratene Kalbsleber mit Pfefferkirschen, Zwiebelconfit (in Gänseschmalz und Weißwein geschmorte Zwiebelchen) und Kartoffelküchle".
Übrigens sollten sie beim Kauf unbedingt auch auf deutsche Spätburgunder achten. Denn auch aus Deutschland gibt es Pinot noirs u.a. von der Ahr, aus Baden oder dem Rheingau, die den Vergleich mit den französischen Brüdern nicht zu scheuen brauchen.
Gleiches gilt auch für die weißen Schwestern der Pinot noir nämlich Pinot gris und Pinot blanc (italienisch: Pinot grigio und Pinot bianco; deutsch: Grau- und Weißburgunder). Auch diese Rebsorten mit ihren feinen Birnen und Apfelaromen, ihrer moderaten Säure und ihrem zum Teil kräftigen Körper eignen sich hervorragend zu winterlichen Festtagsgerichten - zum Karpfen etwa, dem Fischklassiker zur Weihnacht.
Aber zu Weiß- und Grauburgunder gibt es viele, viele andere kulinarische Alternativen, gebratenes Zanderfilet beispielsweise mit Harricots verts und Birnen, die kurz mit Majoran und Bohnenkraut in Butter und etwas weißem Burgunder gedünstet werden. Zu einem frischen Weißburgunder passen ebenfalls ausgezeichnet gebratene Jacobsmuscheln auf Belugalinsen mit aufgeschäumter Hummerbutter, zu einer körperreichen Grauburgunder Spätlese hingegen gebratener Lachs auf Steinpilzrisotto.
Weihnachten ist im Besonderen aber auch das Fest süßer Köstlichkeiten. Vor allem süße Gebäckspezialitäten mit ihren kräftigen Gewürzaromen wie Zimt- und Mandelsterne, Printen, Gewürzspekulatius, Dresdner Christstollen und Lebkuchen gehören zu den weihnachtlichen Gaumenfreuden nicht nur der Kinder. Dazu kann man natürlich Kaffee oder Tee aber eben auch ein Gläschen süßen Weins genießen. Eine feine edelsüße Riesling Auslese oder Beerenauslese mit ihrem opulenten Bouquet von reifen Aprikosen, Pfirsichen, Rosinen und Honig sowie dem eleganten Säurespiel ist natürlich ein idealer Begleiter zum Weihnachtsgebäck. Eine interessante Variante zum Riesling aber sind die Weine aus der südfranzösischen Appellation Rivesaltes. Hier im Roussillon, im Schatten der Pyrenäen, entstehen traditionsreiche süße Rotweine aus der Rebsorte Grenache noir. Mit ihren Aromen von getrockneten Früchten wie Rosinen, Feigen und Datteln sowie Anklängen an Schokolade, Mandeln und Vanille ergänzen sie geradezu symbiotisch die Aromen weihnachtlicher Spezereien. Da diese Weine aber auch vorzüglich zu würzigen Käsen wie Hartkäsen oder auch den berühmten Blauschimmelkäsen Roquefort oder Gorgonzola passen, gehören süße Weine unbedingt zur weihnachtsfestlichen Weinauswahl.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine gesegnete und genussreiche Weihnacht.









