Caro Maurer – Master of Wine

Sie gehört zum exklusivsten Weinzirkel der Welt.

Die heute in Bonn lebende Weinjournalistin Caro Maurer erhielt als erste deutschsprachige Frau Anfang September den Titel "Master of Wine". Sie ist Magister der Kommunikationswissenschaften und schreibt für bekannte Magazine und Zeitungen, u.a. für "Der Feinschmecker", für das Wirtschaftsmagazin "Forbes" oder für die Tageszeitung "Die Welt". Mit ihrer Einstellung, "dass man, was Wein betrifft, niemals auslernt" (Zitat Caro Maurer) schloss sie als beste deutsche Absolventin 2005 ihr Diplomastudium ab und ist nun eine der wenigen Master of Wine weltweit.

Wie es dazu kam und was sie uns als Weinliebhaber mit auf den Weg geben möchte, lesen Sie in dem folgenden Interview:


Frau Maurer, Ihr Titel "Master of Wine", zu dem wir Ihnen ganz herzlich gratulieren, stellt heraus, dass Sie ein umfassendes und vor allen Dingen herausragendes Wein-Fachwissen haben. Wie und was war Ihr Weg zum Wein? (Wie sind Sie zum Wein gekommen?)

Es gibt diesen einen einzigen, alles entscheidenden Moment nicht. Meine Liebe zu Wein ist gewachsen. Sie begann als zarter Flirt mit kalifornischem Chardonnay, als ich Ende der achtziger Jahre in den USA lebte. Sie entwickelte sich zu einer ernsthaften Liaison, als ich mich nach meiner Rückkehr intensiv mit Riesling beschäftigte. Und dazwischen gab es immer wieder Höhepunkte wie den 1987 Le Montrachet von Romanée-Conti beispielsweise, ein genialer Wein aus einem mäßigen Jahrgang. Oder ein Glas 1961er La Tour, der mich mein Leben lang begleiten wird.

Es gibt in der gesamten Weinwelt nur 300 Master of Wine, verteilt auf 23 Länder. Es sind also nur wenige, die diesen auch oft beschwerlichen Weg gehen, sich so viel Weinwissen anzueignen. Und dennoch, welchen Nutzen hat der Weinliebhaber, der Genussmensch und Konsument, davon, sich intensiver mit Wein auseinander zu setzen oder gar eine Weinausbildung anzustreben?

Die erste und auch wichtige Reaktion auf einen Wein ist: schmeckt mir oder schmeckt mir nicht. Aber wenn ich mehr über einen Wein weiß, dann lerne ich noch andere Facetten an ihm zu schätzen. Zum Beispiel typische Charakterzüge. So lerne ich das Tannin in einem Barolo als einen wünschenswerten Teil seiner Persönlichkeit kennen. Oder ich lerne die Ursachen, warum bestimmte Weine anders schmecken: ein Riesling zum Beispiel fruchtig im Vergleich zu einem weißen Burgunder, der im Holz ausgebaut wurde. Ich genieße mehr, wenn ich Wein verstehen kann.

Das Master-Studium gilt als die anspruchsvollste Ausbildung in der Weinwelt. Was war für Sie die größte Herausforderung, und an welche Begebenheit denken Sie am liebsten zurück?

Die größte Herausforderung war es, ein Studium anzufangen, bei dem man das eigene Scheitern von Anfang an einkalkulieren muss. Man sagt, von zehn Studenten, die das MW-Programm beginnen, kommt einer durch. Die Rechnung ist so simpel zwar nicht - manche müssen aus beruflichen oder privaten Gründen abbrechen -, doch ich wusste am Anfang nicht, ob ich am Ende auch ankommen werde. Die schönste Begebenheit ist einfach zu nennen: Nach dem ersten Studienjahr gibt es eine Zwischenprüfung, und die habe ich in meinem Jahrgang als Beste abgeschlossen - und damit den "Constellation Award" gewonnen: einmal rund um die Welt fliegen, um Weingüter in Neuseeland und Kalifornien zu besuchen. Das war die schönste Reise meines Lebens.

Auf welche Weise möchten Sie Ihren Titel und die damit verbundene gestiegene Bekanntheit nutzen, um den Stellenwert des Weins in der Gesellschaft weiter zu fördern?

In erster Linie habe ich das Studium gemacht, um zu lernen. Und nicht um mein Leben zu verändern. Aber es ist schon richtig, der ganze Aufwand sollte einen Nutzen haben und sich lohnen. Ich weiß allerdings nicht, ob ich damit den Stellenwert des Weins in der Gesellschaft weiter fördern kann. Aber ich würde gern meine Position nutzen, um die die herausragende Qualität von deutschem Wein in der Weinwelt bekannter zu machen.

Sie haben bei der Viniversitaet den WSET Level 3 - Kurs Advanced Certificate in Wines and Spirits absolviert. Wie schätzen Sie die Qualität der Weinausbildung bei der Viniversitaet ein? Wie sind Ihre Erfahrungen? Wem empfehlen Sie eine WSET - Ausbildung und was sind die Vorteile?

Das Einzigartige an einer WSET-Ausbildung ist die Vergleichbarkeit: Auf der ganzen Welt werden dieselben Inhalte auf demselben hohen Niveau vermittelt. Und die Qualität der Ausbildung wird international anerkannt. Wenn ich also in Neuseeland jemandem sage, dass ich das WSET-Diplom habe, dann wird dies dort genauso hoch eingeschätzt wie beispielsweise in den USA oder eben in Deutschland. Ich denke, jeder, der Spaß am Wein hat und mehr darüber lernen möchte, kann sich bis zum Advanced Certificate fortbilden und wird davon profitieren. Bei der ganzen Liebesmüh, die man jedoch danach ins WSET Diplom stecken muss, ist ein beruflicher Nutzen dann schon sinnvoll.

Und nun noch eine Frage, die sicherlich viele unserer Leser und Weinliebhaber besonders interessiert: Welcher ist Ihr Lieblingswein aus Deutschland? Oder sollte ich besser fragen, welche Rebsorte aus Deutschland bevorzugen Sie ganz privat?

Welche Rebsorte? Eine ganz einfache Antwort: Riesling. Und davon gibt es in Deutschland inzwischen so viele gute, dass sich ein einziger Lieblingswein darunter gar nicht mehr ausmachen lässt.

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