California Dreaming - Highlights einer Genießer-Tour
"You didn’t see the bridge? - Sie haben die Brücke nicht gesehen?", fragt uns ein Kalifornier mit freundlichem Spott. "Dann müssen Sie tatsächlich in San Francisco gewesen sein!"
Denn die Golden Gate Bridge vor strahlendblauem Himmel, die gäbe es ohnehin fast nur auf Postkarten. So war es auch uns wie den meisten Besuchern gegangen, die San Franciscos Wahrzeichen, eingehüllt in eine dichte Wolke aus Nebel, nur schemenhaft erkennen konnten. Doch der feuchte Spuk, der am frühen Morgen die Windschutzscheibe noch so stark benetzt hatte, dass wir tatsächlich den Scheibenwischer einschalten mussten, ist später am Vormittag bereits vorbei. Als wir auf dem Highway 29 ins weltberühmte Napa Valley rollen, präsentiert sich der "Golden State" California in bestem Licht.
Rechts und links erstrecken sich weitläufige Weingärten, im Westen erheben sich die Macayamas Mountains in majestätischem Zickzack. Wie Perlen an einer Kette sind hier die Weingüter aufgereiht, eines schöner als das andere. Beigefarbene Natursteinbauten sind darunter, so auch die weltberühmte Robert Mondavi Winery, die sich mit ihrem markanten Turm im Stil einer kolonialen Missionsstation präsentiert. Gegenüber erhebt sich die in rotbraunes Holz gekleidete Cakebread Kellerei in den blauen Himmel. Und das Luxusweingut des Exiliraners Darioush ist gar mit "antiken Säulen" aus echtem persischen Marmor geschmückt. Zugegeben - das hat ein bisschen was von Disneyland, aber es bereitet zugleich die Kulisse für einige unvergessliche Tage, zumal die Qualität der hier angebauten Weine selbst anspruchsvollste Genießer zufriedenstellt. Tiefgründige Cabernets, würzige Syrahs und harmonisch-frische Sauvignons lassen Kennerherzen höher schlagen.
Wer mag, kann in Kaliforniens Weingütern übrigens auch vorzüglich dinieren, denn die Kombination von Wein und Speisen ist in hier ein ganz großes Thema. Viele Erzeuger arbeiten mit Spitzenköchen zusammen, die zu ihren Weinen passende Rezepte kreieren. Die meisten von ihnen greifen bei der Zubereitung ihrer Menüs mit Vorliebe auf heimische Produkte zurück, denn Kalifornien steht nicht nur als Weinbaubiet ganz vorn in Amerika, sondern auch als Provenienz von Obst und Gemüse. Vieles wird im biologischen oder nachhaltigen Anbau erzeugt. Nehmen Sie sich ruhig ein, zwei Stündchen Zeit und lassen Sie sich auf einer schattigen Veranda bei den Klängen dezenter Jazzmusik mit einem Sternewürdigen Menü verwöhnen zu lassen, das die Geschmacksknospen zum Tanzen bringt.
Napa Valley ist zwar das bekannteste, aber längst nicht das einzige Top-Gebiet des Golden State. Wer dem Highway 29 in nördlicher Richtung folgt, gelangt nacheiner knappen Stunde ins Sonoma Valley, das zwar weniger mondän daherkommt, dafür aber mit dem Charme des ländlichen Amerika bezaubert. Chardonnay und Pinot Noir lauten hier die Zauberwörter und sind längst von Geheimtips zu Weltstars avanciert.
Nördlich von Sonoma wartet das idylische Mendocino. Manches hier erinnert an die "Ponderosa Ranch" aus der Fernsehserie Bonanza: Wogende Hügel sind bewachsen mit beige-braunem Steppengras, Büsche und Bäume setzen grünleuchtende Akzente. Ab und an mäandriert ein Flüsschen durch die romantische Wildwestlandschaft. Von weißen Holzzäunen umrahmte Viehkoppeln beherbergen Pferde, Schafe und Ziegen. Hoch am Himmel kreisen Falken. Auch die an Blockhäuser erinnernden Weingüter verströmen hier "Bonanza-Charme" und fügen sich harmonisch in die Landschaft ein. Lassen Sie sich im Schatten der Bäume nieder und genießen Sie ein einfaches Picknick. Genießen Sie die Stille der Weinberge, und natürlich kalte Weißweine und Rosés. Ein beseres Entspannungsprogramm gibt es kaum.
Und wem nach soviel Kontemplation der Sinn nach Lebhafterem steht, sollte eines der phantastischen Country-Feste besuchen, die der Golden State zu bieten hat. Alljährlich im Mai lockt zum Beispiel das "Annual Carneros Heritage Fest" mit einer bunten Mischung aus Wein, Essen und guter Musik.Hier geht es ganz rustikal zu: Auf einem Stoppelacker sind Zelte zu einem weitläufigen Viereck aufgebaut, in denen man Weine und kulinarische Spezereien aus der Region verkosten kann. Eine Countryband spielt, es gibt Lamm vom Grill und über allem wölbt sich ein hoher Himmel mit Schäfchenwolken. Genießen Sie ein letztes Mal den "Californian Way of Life2, bevor Sie sich erfült mit wunderbaren Erinnerungen, aber auch mit einer gehörigen Portion Wehmut im Herzen auf den Rückweg nach San Francisco und weiter nach Europa aufmachen.
Wer eine Wine & Food Tour durch Kalifornien unternehmen will, kommt am besten zwischen März und Anfang November ins Land, denn während des Winters herrscht oft "Regenzeit", die den Aufenthalt ungemütlich machen kann. Ideal ist der Zweitraum zwischen Mitte Oktober und Anfang November: Es ist trocken, die Luft ist sehr klar, und die die Blätter der Weinstöcke leuchten in den schönsten rötlich-goldenen Farben.









